Interview mit WAGO Kontakttechnik über Industrie 4.0 in deutschen Unternehmen

  • Claudia Pulfer
  • Mai 2, 2018

Es gibt Fertigungsanlagen, die mit Werkteilen Informationen austauschen und bei Bedarf selbstständig einen Techniker um Hilfe bitten*.

Das Ganze ist keine Vision, sondern Realität und war im April 2018 auf der Hannover Messe zu sehen, der wichtigsten Industriemesse Deutschlands. Im Mittelpunkt standen unter anderem die Themen Industrie 4.0 und IIOT. Die Organisatoren sind überzeugt: „Ein massiver Umbruch steht bevor, ganze Betriebsabläufe werden sich verändern. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, sind Flexibilität und Individualität in der Produktion und Logistik gefragt.“* Und Achim Berg, der Präsident des Branchenverbands Bitkom sagte: „Wir befinden uns mitten in der vierten industriellen Revolution“*.

Doch was bedeutet das konkret für deutsche Unternehmen, ihre IT-Systeme und Prozesse? Wir haben bei einem Experten nachgefragt: Jürgen Pfeifer ist seit 2001 für Automatisierungsprodukte bei der WAGO Kontakttechnik GmbH & Co. KG tätig und hat sich das Thema IIOT auf seine Fahne geschrieben.

Eine Ihrer Aussagen lautet: „Digitalisierung hat es schon immer gegeben.“ Wie meinen Sie das?

Blicken wir zurück in die 70er Jahre: Bereits damals unterstützen computergestützte Techniken die Facharbeiter. In der metallverarbeitenden Industrie wurden schon vor 50 Jahren Maschinen eingesetzt, mit denen Werkzeugmaschinen automatisch durch Computer und nicht mehr durch manuelle und menschliche Arbeit gesteuert wurden.  In den 80er Jahren erleichterten digitale Bedienpanels den Arbeitsalltag eines Facharbeiters. Aufträge wurden über Lochkarten abgewickelt und Magnetkarten digital ausgewertet. Derzeit wachsen Industrie und Internet zusammen. Jede einzelne Maschine kommuniziert zunehmend mit der Cloud; und das zunehmend bidirektional. Die industrielle Produktion verzahnt sich mit moderner Informations- und Kommunikationstechnik. Und im Zuge der Umsetzung haben wir es heute mit dem Industriellen Internet der Dinge (IIOT) zu tun.

Was versteht man genau unter „IIoT“?

IIoT ist die Abkürzung von „Industrial Internet of Things“. IIOT konzentriert sich auf die Anwendung des Internets der Dinge im produzierenden und industriellen Umfeld. Es umfasst die digitale Transformation industrieller Fertigungsprozesse. Es geht also um industrielle Prozesse und Abläufe, um die zunehmende Vernetzung von Geräten, Maschinen, Menschen und Sensoren.

Wie können Unternehmen von IIOT profitieren?

Wenn wir uns mit IIOT auseinandersetzen, beschäftigten wir uns mit Fragen, die sich um die Absicherung und weitere erfolgreiche Unternehmensentwicklung in einer digitalen und globalen Welt drehen: Wie können Kosten in der Produktion gesenkt werden? Wie lässt sich die betriebliche Effizienz steigern?  Wie können Unternehmen Prozesse in Fertigung und Produktion beschleunigen und wie lassen sich neue, zukunftsorientierte Geschäftsmodelle in die Praxis umsetzen?

Jede einzelne Maschine verfügt heute über verschiedene Techniken, Ebenen und Systeme. Während ihres Einsatzes sammelt sie im gesamten Fertigungsprozess viele, wichtige Daten. Diese werden digital in die Cloud übertragen und können dort erfasst und ausgewertet werden. Die Daten und Erfahrungen, die wir aus jeder einzelnen Maschine erhalten, bilden konsolidiert eine wichtige Grundlage für Analysen und für eine solide Produktionsplanung. Das ist eine enorme Bereicherung und Chance für das Unternehmen.

Keine Chance ohne Risiko, oder?

Es gibt keine Risiken, nur Chancen. Einer der entscheidenden Erfolgsfaktoren dabei ist die Interaktion realer Vorgänge mit der digitalen Welt. Cloud-basierte Integrationslösungen fördern in diesem Zusammenhang auch in der Industrie die Flexibilisierung von Herstellungsprozessen. Sie erlauben die effiziente Nutzung produktionsrelevanter Daten und vereinfachen die standortübergreifende Vernetzung globaler Kommunikationsstrukturen.

Wo steht die Industrie heute?

Das „Internet der Dinge“ (IoT) ist zurzeit ein richtiges Hype-Thema. Auch im industriellen Umfeld sehen wir derzeit verschiedene Ansätze und Ideen, die meist auf einem rein technischen Ansatz und einer technischen Sichtweise beruhen. Häufig fehlt dabei ein wesentlicher Teil, nämlich der Bezug zum Business. Wie „rechnet sich die Investition für mich“?

Auf was müssen Unternehmen besonders achten?

Die digitale Transformation umfasst alle wesentlichen Kernfelder: Vertrieb, Logistik, Personal, Finanzen, Produktion und CRM. Für einige Themen gibt es bereits gute IoT-Lösungen auf dem Markt. Diese werden jedoch leider oftmals als Silo- oder „Stand-alone“-Lösung umgesetzt. Eine Einbindung in den übergeordneten Geschäftsprozess fehlt zumeist komplett. Hinzu kommen dann auch noch Medienbrüche, so dass die Informationen immer wieder manuell von einem System in einem anderen System zur Verfügung gestellt werden müssen. Das mindert die Effektivität und Durchgängigkeit der Geschäftsprozesse erheblich und erhöht die Fehleranfälligkeit durch den Menschen.

Neben dem Sammeln wertvoller und ausreichend vieler Rohdaten ist es für Unternehmen natürlich auch wichtig, diese nutzbar zu machen und weiterzuverarbeiten. Sprich aus den generierten Maschinendaten gilt es, geschäftsrelevante Informationen zu bekommen, die ich dann für Produktionsplanungen und Geschäftsentscheidungen auch verwenden kann.

Wie lassen sich Silolösungen technisch überwinden?

Es gibt marktgängige Lösungen, mit denen sich Silos technisch überwinden lassen. Im Unternehmen laufende Business Software und verschiedene IT-Systeme können mit Hilfe von Integrationsplattformen miteinander verbunden werden. Und zwar unabhängig davon, ob sich eine Business Software in der Cloud befindet oder ob es sich um ein On-Premise-System handelt. WAGO Kontakttechnik und Magic Software zeigen Interessenten auf Wunsch gerne und unverbindlich auf, was Integrationsplattformen und smarte IoT-Lösungen zur Siloüberwindung, Effizienz- und Qualitätssteigerung beitragen können – insbesondere mit Blick auf die geforderte Anlagenverfügbarkeit.

Was möchten Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben?

Fest steht, wir alle gehen den Weg in die Digitalisierung. Unternehmen können daraus einen großen Mehrwert und Nutzen ziehen. Unternehmen müssen keine Scheu davor haben, denn IoT-Projekte müssen keine Endlos-Projekte sein. Es ist nicht mit einem einzelnen Projekt getan, sondern stellt einen kontinuierlichen Entwicklungsprozess dar. Die Umsetzung kann mit vielen einzelnen Schritten passieren. Wichtig ist, mit kleinen Dingen jetzt zu starten.

Herr Pfeifer, wir bedanken uns herzlich für das aufschlussreiche Gespräch.

Über WAGO Kontakttechnik GmbH & Co.KG:

WAGO ist ein global tätiges Unternehmen mit ca. 7600 Mitarbeitern in der Herstellung von Komponenten der Verbindungs- und Automatisierungstechnik. Mit ihrem Solution- und Supportcenter unterstützen Sie weltweit Kunden in der Erstellung von SPS-Applikationen. Weitere Informationen finden Sie auf der Unternehmensseite.

Weitere Informationen über die Magic xpi Integrationsplattform erhalten Sie hier .

Quellen*:
Hannover Messe
Bitkom Verband

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